Jahresberichte für deutsche Geschichte

Die Jahresberichte für deutsche Geschichte standen in der Tradition der 1880 bis 1916 von der Historischen Gesellschaft zu Berlin "Jahresberichte der Geschichtswissenschaft". Die universalgeschichtlich ausgerichtete Publikation enthielt Forschungsberichte aus allen Bereichen der Geschichtswissenschaft. Zwischen 1920 und 1927 erschienen dann in Breslau die "Jahresberichte der deutschen Geschichte", die eine inhaltliche Fokussierung auf die Geschichte Deutschlands vollzog. Bereits 1926 erfolgte eine Neuorganisation, die unter anderem von der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft unterstützt wurde. Unter dem nunmehr gewählten Namen "Jahresberichte für deutsche Geschichte" wurde jeweils ein bibliografischer Teil mit mehreren Fortschrittsberichten zu einzelnen Themenbereichen der deutschen Geschichte zusammengefasst. Träger war die "Gesellschaft Jahresberichte für deutsche Geschichte". Kriegsbedingt musste die bibliografische Arbeit 1942 eingestellt werden.

Nach ersten Ansätzen im Jahr 1947 erfolgte 1950 die Neuetablierung der "Jahresberichte", nun ausschließlich als Bibliografie mit inhaltlich erschlossenen Titelnachweisen. Auf Grund der herrschenden materiellen Beschränkungen und einer sich zunehmend negativ bemerkbarmachenden technologischen Rückständigkeit erfolgte die bibliografische Arbeit unter schwierigen Bedingungen, doch konnten die Jahresberichte den Rang eines zuverlässigen Nachweisinstrumentes behaupten. 1994 erfolgte eine Neukonzeption auf der Grundlage einer zeitgemäßen technischen Basis, als Träger fungierte bereits ab 1993 die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, die die Jahresberichte bis 2015 als Akademievorhaben fortführte. Bis 2009 erschienen die Jahresberichte in gedruckter Form im Akademie-Verlag, seit 2010 waren sie ausschließlich als Open-Access-Datenbank der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften verfügbar.

Auf Grund der in den 1990er eingeführten datenbankbasierten Arbeitsweise konnten ab 2003 alle digital verfügbaren Titelaufnahmen frei im Internet zugänglich gemacht werden. Im gleichen Jahr wurde die Fachsystematik der Jahresberichte auf eine facettierte Klassifikation umgestellt, so dass seit diesem Zeitpunkt alle Zeitabschnitte  in der gleichen Weise sachlich untergliedert sind.

Die Jahresberichte für deutsche Geschichte verzeichneten bis zum Berichts- und Erscheinungsjahr 2015 systematisch deutsch- und fremdsprachige wissenschaftliche Publikationen. Sie war und ist noch die umfassendste Fachbibliografie ihrer Art, in der Monografien, Sammelbände und Beiträge, Zeitschriftenaufsätze, Quelleneditionen, Nachschlagewerke und Bibliografien erfasst wurden. Mit dem Auslaufen der Finanzierung über das Akademieprogramm Ende 2015 wurde die Arbeit an der Erweiterung der Datenbasis eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt waren 764.000 Titelaufnahmen recherchierbar. Zugleich wurde sichergestellt, dass die insgesamt vorhandenen ca. 840.000 Titelaufnahmen durch andere Vorhaben nachgenutzt werden können. Sie stellen die umfangreichste Grundlage der neu zu etablierenden Deutschen Historischen Bibliografie dar.